Aus Liebe zum Korn…

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Aus Liebe zum Korn…

… ein kleiner Ausflug in die analoge Fotografie.

Analoge Fotografie? Mit diesen ollen perforierten Filmröllchen? Das ist ja richtig oldschool. Ist Film nicht schon längst tot?

Das waren zunächst auch meine ersten Gedanken die mir in den Kopf geschossen sind, und das obwohl ich selbst das Fotografenhandwerk von der Pieke auf gelernt habe. Die letzte „Analog-Begegnung“ hatte ich damals vor knapp 5 Jahren. Ich erinnere mich noch ziemlich gut an meine Gesellenprüfung, mit einem Totschlägerkoffer dessen Inhalt eine geliehene Sinar P2 war und sämtlichen anderen Firlefanz wie Blitzlampen, Stative, Kabel, Kabel und nicht zu vergessen Kabel – durften wir netterweise in den 5. (gefühlt 20.) Stock die Treppen hochkraxeln. Fahrstuhl? Als ob!

Endlich in der Höhle der Löwen (unserer Prüfer) angekommen, durfte man dann erstmal alles schön aufbauen. Wer diese Hürde gemeistert hatte, bekam ein Großformat Dia in die Hand gedrückt mit der Aufgabenstellung: Stellen Sie eine 1:1 detailgetreue Aufnahme dieses Motivs her. Natürlich alles schön auf Film und so. Auf dem Dia war ein Stillleben zu sehen bestehend aus Grillutensielen wie z.B. Teller, Becher, einen kleinen Eimergrill, diverse Saucen etc… Die Schwierigkeit lag darin das Stilleben 1:1 nachzustellen, auszuleuchten und den Schärfeverlauf genau so zu legen wie auf der Diavorlage zu erkennen war. Jeder der schonmal mit Fachkameras und/oder Kameras ohne Spiegelsystem gearbeitet hat wird merken, dass es gar nicht mal so leicht ist das Foto bereits spiegelverkehrt zu planen. Lange Rede, kurzer Sinn nach etwa 3 Stunden war das Schauspiel beendet und anscheinend muss ich etwas richtig gemacht haben. Denn der Gesellenbrief hängt seitdem an meiner Wand.

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Was ich aber eigentlich versuche zu sagen ist, dass ich seit der Prüfung eigentlich nie wieder in Kontakt mit der Analogen Fotografie gekommen bin. Zum einen fehlte die Zeit, zum anderen die finanziellen Mittel. Natürlich relativieren sich die Kosten, wenn man bedenkt wie kostspielig der moderne High-Tech Kram ist. Denn statistisch gesehen ist Filmmaterial heute nicht teurer als vor ca. 30 Jahren. Und in fast jedem Familien- oder Bekanntenkreis findet sich meistens immer jemand, der noch irgendwo eine kleine analoge Kamera im verstaubten Schublädchen rumliegen hat. Allerdings ist es auch die Unsicherheit und die Unerfahrenheit die mich immer wieder abgeschreckt hat analog durchzustarten.

Nun aber hat mich der Zauber der analogen Fotografie wieder einmal gefesselt. Durch viele kleine Zufälle bin ich nun Mitarbeiterin bei Mein Film Lab bei Düren und darf mich dort täglich austoben und vor allen Dingen, sehr viel lernen. (An dieser Stelle ein riesengroßes Danke schön an meinen Chef!) Von Filmcharakteristiken bis über technisches Hintergrundwissen über Entwicklungsprozesse etc, jeden Tag verschlinge ich das was ich höre und sehe. Und ich liebe es!analog_web

Es fängt bereits an wenn ich auf die Pirsch gehe mit dem Vorsatz: “ Heute wirst du etwas schönes, etwas einzigartiges, etwas unvollkommenes auf Film bannen.“ Und diese Bilder haben so viel mehr Wert. Die Motive sind nicht wahllos dahergeflitscht, man macht sich viel mehr Gedanken um Bildkomposition, um Farbgebung, um Lichteinfall. Es ist wie Urlaub für die hektische Fotografenseele. Einen Moment lang steht die Welt kurz still und wenn alles perfekt ist, drückt man den Auslöser und Kaboooooom – es ist vollbracht. Nach diesem Teil kribbelt es mir immer in den Fingern. Gewohnt direkt auf den Bildschirm zu glotzen und das Ergebnis zu checken – nix da, ist ja analog. Nun heisst es geduldig sein. Aber wenn der Film dann voll ist, du dich in der Dunkelkammer verbarrikadierst, die Filme aufspulst und in den Entwicklungstank legst und die Chemie ihre Arbeit vollzieht, ist das für mich einfach nur der perfekte Moment. Voller Spannung und Vorfreude wird man dann mit einem (optimalerweise) gut belichteten Negativ belohnt. Der nächste Schritt ist das digitalisieren. Der Film wird nun gescannt und es werden Farbbkorrekturen vorgenommen, der Prozess, das Bild zu gestalten, ist also im Grunde genommen noch gar nicht zu Ende. Und das ist für mich das Schöne, einmal die Möglichkeit haben etwas Geschwindigkeit aus der ganzen Sache herauszunehmen, nicht nur alles auf Masse produzieren. Getreu dem Motto Qualität statt Quantität.

Und die größte Belohnung ist dann der fertige Scan. Diese Farben, diese Lichter, diese Zeichnung und oh dieses Korn! Getoppt, kann dies eigentlich nur noch von einem großformatigen Print auf feinstem Barytpapier werden. Viele werden meine Leidenschaft vielleicht nicht nachvollziehen können, aber alle die ich nun Neugierig gemacht habe möchte ich bestärken selbst analog zu fotografieren. Es lohnt sich!

Mit diesen Worten verabschiede ich mich für heute!

Liebe Grüße Eure Franzi

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